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Studentenunruhen in der Schweiz: «Bologna als Sündenbock?»

Studentenunruhen: Sündenbock Bologna?

Die Studierenden werden vermehrt krank. Das ist die neuste Meldung aus der Welt unter der Aulakuppel in Zürich. Immer mehr junge Leute fühlten sich dem zunehmenden Druck nicht mehr gewachsen, erklären die Verantwortlichen von Beratungsstellen und vermelden satte Zuwachsraten. Es fehlte in diesem Zusammenhang nur der Hinweis, dass Bologna dafür verantwortlich ist. Es hat sich nämlich bei unseren Recherchen zu den Studierendenprotesten schnell einmal gezeigt, dass die Bologna-Reform tatsächlich Sündenbock für praktisch alle Probleme der Universitäten wurde. Also fragten wir uns, warum denn protestiert wurde und wo es Handlungsbedarf gibt? Die Erkenntnisse sind spannend und vielfältig. Wir haben einen erstaunlich grossen Konsens zwischen Politik, Studierenden und Universitätsleitung dafür gefunden, wo bei der Bologna-Reform der Hebel anzusetzen ist und wo wir seit Jahrzehnten an den gleichen Fragen nagen. Wir haben bei unseren Recherchen viel Goodwill und noch mehr Offenheit angetroffen. Mit dem Staatssekretär für Bildung und Forschung, dem CRUS-Präsidenten, dem Rektor der Universität Genf, dem Erziehungsdirektor des Kantons Bern, vier Studierenden des Schw.StV aus unterschiedlichen Fakultäten, dem VSS-Vorstandsmitglied und dem Nachwuchsdozenten haben wir eine sehr seltene Tiefe und Breite zu einem Thema erreicht. Mit diesem Heft legen wir gleichzeitig aber auch eine gute Grundlage für die nächste Einsiedlertagung (siehe Ausschreibung Seite 34 in dieser Nummer) sowie die kommende ZD-Diskussion. Dass wir als Redaktoren dieses Thema so schnell aufgenommen haben, ist darauf zurückzuführen, dass der Studentenverein die Bildungspolitik als seine ureigenste Domäne betrachtet. Von diesem Gesichtspunkt her haben die Studierendenproteste, so sehr sie auch auf Ablehnung gestossen sind, Positives bewirkt.

Beat Waldmeier v/o Calcio & Erich Schibli v/o Diskus, Redaktoren

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Gottes Bodenpersonal

Nach zehn Jahren: Zum Abschied

 

Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, wenn wir hier das 53. und letzte Editorial schreiben. Es mutet fast ein wenig wie ein Wink des Schicksals, dass wir ein geistliches Thema aufgreifen, nachdem wir 1999 mit dem Anspruch angetreten waren, kein abgehobenes pfarramtlich-sakrales Gemeindeblatt herstellen zu wollen. Und doch liegt das Thema genau auf der Linie der letzten zehn Jahre: Themenbezogen einen Einblick gewähren. Nicht immer waren es so streitbare Themen wie Fristenregelung oder Kifferparadies Schweiz, eher ruhigere wie Humor oder Theater. Zur letzten Nummer sind wir «back to the roots» gegangen, nämlich zum StV und seinen Gottesleuten. Bis auf eine Ausnahme porträtieren wir StVer und ihre Tätigkeit in der Kirche. Wir haben uns dabei bewusst auf die katholische Kirche beschränkt. Nicht, weil wir die Reformierten im StV vor den Kopf stossen wollen, sondern weil diese Nummer ein bisschen Einblick in verschiedene Etagen ermöglichen soll. Wir haben gelernt, dass weniger manchmal mehr ist und wir keine wesentlich neuen Erkenntnisse gewinnen können, aber unter Umständen etwas verlieren, nämlich einen tieferen Einblick in die Befindlichkeit der katholischen Kirche und seines Personals. In diesem Sinne verabschieden wir uns an dieser Stelle und wünschen unserem Nachfolger Thomas Gmür v/o Mikesch viel Freude in seiner Aufgabe. Und Jacques-André Possa wird ihm für den französischsprechenden Teil der «civitas» erhalten bleiben. Thomas Gmür wird es anders machen und das ist gut so!

Beat Waldmeier v/o Calcio & Erich Schibli v/o Diskus, Redaktoren

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Geld und Geist

Mit vereinten Kräften

Feststimmung im Schweizerischen Studentenverein: In Fribourg, Innsbruck, St. Gallen und Zürich werden Jubiläen gefeiert. Freudig und oft auch wehmütig erinnert man sich einer glorreichen Vergangenheit und hält die gemeinsamen Werte hoch. Werte, für die schon unsere Altvorderen gekämpft haben, Werte, für die wir stets stolz eingestanden sind und die wir noch immer verteidigen.

Katerstimmung auf dem Finanzplatz Schweiz: In Genf, Basel und Zürich kommt aber nicht allenthalben Festlaune auf. Einige wenige vergällen uns die Freude. Es sind jene, welche ihr Wertesystem auf eine andere Basis stellen als wir StVerinnen und StVer. Hier hat das Fundament entsprechende Risse, da findet man keine überzeugenden Hinweise wie «pro deo et patria». Statt des Grundsatzes «viribus uniti» überwiegen Eigeninteressen. Und diese falschen Werte haben die weltweite Bankenwelt in Misskredit, in Schieflage, gebracht.

Oft herrscht hier nur die Gier nach Geld, nach Macht. Doch der Mensch wäre ja an sich gütig, nur kommt ihm allzu oft, wie es schon bei Moby Dick zu lesen steht, die Gier in die Quere. Und diese Gier, vielleicht auch als Ergebnis einer inneren Leere, ist nun Taktgeberin in der Diskussion um Boni, um Bankendebakel und um Staatsbankrotte.

Ein französisches Sprichwort sagt: «On ne fait pas boire un âne qui n’a pas soif.» Wie man einen Esel, der keinen Durst hat, nicht zum Trinken zwingen kann, kann man die Bonijäger nicht zur Drosselung ihrer Gier peitschen. Aber man müsste zumindest versuchen, den Durst und den Appetit etwas zu zügeln. Und dazu braucht es vereinte Kräfte. Nun sind Werte gefragt, wie sie von uns StVerinnen und StVern vertreten werden: in fide firmitas.

In den letzten zehn Jahren hat das Duo Erich Schibli v/o Diskus und Beat Waldmeier v/o Calcio die Civitas entscheidend geprägt. Die Hinterlassenschaft ist eine Zeitschrift, die stets spannend, aktuell und breit gefächert das Leserpublikum angesprochen hat. Meinen Vorgängern möchte ich für ihre grosse Arbeit ganz herzlich danken. Mit der Ausrichtung der Civitas in den vergangenen Jahren liefern sie mir eine Steilvorlage für die Zukunft. Diesen sportlich-publizistischen Elan möchte ich mitnehmen und freue mich mit meinem frankophonen Partner Jacques-André Possa v/o Tintin und anderen Mitstreitern, auch künftig auf eine interessierte Leserschaft zu stossen. Mit vereinten Kräften werden wir Ihnen nun regelmässig hoffentlich spannende Artikel liefern.

Thomas Gmür v/o Mikesch, Redaktor

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GV 2010 Wil

Willkommen in Wil

Zum 12. Mal wird in Wil das Zentralfest des Schweizerischen Studentenvereins durchgeführt. Die erste GV in unserer geschichtsbewussten Äbtestadt fand 1860 statt, sodass wir heuer 150 Jahre GV-Stadt Wil feiern können.

Schon bei der ersten GV in Wil thronte der mächtige Hof als Wahrzeichen über der Altstadt und wurde als Mittelpunkt der Veranstaltung rege genutzt. Nach über 500 Jahren Äbtezeit und 200 Jahren Brauereizeit präsentiert sich das geschichtsträchtige Bauwerk nach der zweiten Bauetappe – abgeschlossen im Februar 2010 – heute frisch herausgeputzt und auf einem neu gestalteten Hofplatz, eines stattlichen Studentenfestes würdig.

Seit der letzten GV 2000 ist Wil Mittelschulstandort geworden. Die 2004 eröffnete Kanti Wil soll eine solide Basis für die Abbatia Wilensis sein. Diese wiederum ist ein eigentlicher Jungbrunnen für den Regionalverband Corona Wilensis, welcher als Organisator für die diesjährige GV verantwortlich zeichnet und sich auf frohgemute Tage im grossen Kreise Gleichgesinnter freut.

Die T eilnehmenden der GV erwartet in Wil ein traditionelles Fest, das nebst geselligen Stunden auch einiges an Kultur bietet, beispielsweise am Samstagabend eine Aufführung von Verdi-Highlights. In diesem Sinne heisse ich im Namen des Organisationskomitees und der Stadt alle Aktiven, Altherren, Veteranen und Gäste recht herzlich willkommen in Wil, der traditionsreichen GV-Stadt in der Ostschweiz.

Dr. Bruno Gähwiler v/o Nochwuchs, OK-Präsident

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Energieland Schweiz

Den Energiedialog führen

Die Stromwirtschaft hat die Diskussion um Kernkraftwerke in der Schweiz neu lanciert. Grund dafür ist die prognostizierte Stromlücke, die in den kommenden Jahren drohen wird. Dies, weil mehrere Kernkraftwerke in die Jahre gekommen sind und technisch, aber auch sicherheitsbedingt nicht mehr den Standards genügen. Die politischen Parteien und Verbände sind dabei, sich langsam in Stellung zu bringen. Ihre Forderungen sind ganz und gar unterschiedlich. Während für die einen die Atomenergie als sichere und saubere Energieform ihre Berechtigung hat, singen andere ein Hohelied auf erneuerbare Energien. Die heftigen Auseinandersetzungen um ein Atomkraftwerk im aargauischen Kaiseraugst in den Achtzigern oder der Reaktorunfall in Tschernobyl 1986 sind längst Geschichte. Doch vielen sind diese Ereignisse durchaus noch präsent und bestimmen seither klare Grundhaltungen. Die Civitas möchte Ihnen im Vorfeld der schweizweiten Diskussion um neue Kernkraftwerke ein paar Inputs liefern, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit. Die Palette reicht dabei von der starren technikgläubigen Haltung der Siebzigerjahre bis hin zur innovativen Leistung heutiger ETH-Forscher. Die Energiediskussion ist auch deshalb aktuell, weil es im Infrastrukturdepartement, dem UVEK, nach dem Ausscheiden von Bundesrat Leuenberger zu einem Wechsel kommen wird. Wohin die energiepolitische Reise gehen soll, werden wir wohl bald erfahren. Auf jeden Fall wird es einen spannenden Energiedialog geben.

Einen anderen, nicht minder interessanten Dialog führen wir im «Xamtverein». Der schleichende Mitgliederschwund sowie die zunehmende Überalterung setzen dem Verein zu. Ihm fehlen die Mittel, um weiterhin jene Schlagkraft, die den Verein während Jahrzehnten ausgemacht hat, auszuspielen. An den Generalversammlungen in Wil ist diese Problematik ebenfalls thematisiert worden. Auch der StV führt seinen Energiedialog. Welche Energiezufuhr braucht unser Verband, um stark und lebendig zu bleiben?

Thomas Gmür, Redaktor

 

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Werkplatz Schweiz

Werkplatz Schweiz - ein Erfolgsmodell

Die vorliegende Civitas geht dem Phänomen des Werkplatzes Schweiz auf den Grund.

Dieser Werkplatz hat wesentlich zum Wohlstand unseres Landes – seit der Gründung der modernen Schweiz 1848 – beigetragen. Fleiss und Bescheidenheit (zumindest bei den KMU), Genauigkeit und Innovationskraft, verlässliche Politik sind die Pfeiler des Werkplatzes. Aber auch clevere Unternehmer, die verantwortungsvoll und geschickt ihre Betriebe führen. Ein weiterer Faktor ist die Stabilität und Sicherheit der Schweiz, eingebettet in einem befriedeten Europa. Trotzdem sind die Unterschiede zu den umliegenden Staaten frappant: nirgends herrscht eine ähnlich hohe Erwerbsquote, unser Wohlstand ist höher als anderswo, die vergangene Finanz- und Bankenkrise hat die Schweiz weniger heftig gerüttelt, die sozialen Spannungen sind geringer. Hierzu ist allenthalben eine Kritik am Koloss Europa auszumachen. Eine Kritik, die nicht neu ist, wie unser Beitrag zum Literaturnobelpreisträger Spitteler zeigt.

Es braucht, zumal in Zeiten verstärkter Globalisierung, aber wohl noch andere Gründe, die zum Gelingen des Werkplatzes beisteuern. Etwas ganz Entscheidendes ist wohl der menschliche und soziale Umgang mit der wichtigsten Ressource, die wir zu bieten haben: den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Aber auch jenen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, und die dennoch einen wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft, in der Arbeitswelt bieten können. Dieses Modell der Integration aller Beteiligten in den Arbeitsprozess ist weitherum einmalig. Dazu müssen wir Sorge tragen.

Dieses erfolgreiche Schweizer Modell bedarf weiterhin einer verlässlichen Politik, eines guten Bildungssystems sowie einer verantwortungsbewussten Partnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Wenn dies erfüllt ist, wird auch künftig der Werkplatz Schweiz erfolgreich bestehen können.

Thomas Gmür, Redaktor

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