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Der Universitäre Mittelbau

Keine Sparhysterie auf Kosten der Bildung

« Wenn Politiker über Finanzpolitik diskutieren, kommen sie unweigerlich zur Bildungspolitik. Die Bildungspolitik ist ein dankbares Opfer. Die einen sähen es gerne, wenn auch bei der Bildung vermehrt der Sparhebel angesetzt würde, derweil andere genau beim wichtigsten Rohstoff, den die Schweiz kennt, mitnichten Leistungseinbussen in Kauf nehmen möchten. Diese starren Haltungen verunmöglichen oftmals pragmatische Lösungen. Zurzeit werden landauf landab wieder Budgetkürzungen in Erwägung gezogen, um ja nicht einnahmeseitig die Finanzen ins Lot bringen zu müssen. Dabei zielt der Fokus oftmals auf die Schwächsten. In der Volksschule sind es die Kinder, denen Angebote gekürzt werden, den Berufsschülern fehlt ebenso eine Lobby wie an den Hochschulen dem universitären Mittelbau. Dass gerade bei der Hochschulbildung zu einschneidende Sparopfer beim Mittelbau grosse Auswirkungen generieren, zeigt das Interview mit einem Universitätsassistenten. Unsere Unis leisten einen wichtigen Beitrag, dessen Aussenwirkung nicht unterschätzt werden darf. Ein Beispiel eines solchen Beitrages, der in den Stuben der Universität seinen Nukleus hatte, ist das nunmehr hundertjährige Zivilgesetz.

Andererseits exportiert die Schweiz seit je humanitäre Hilfe. Zur Weihnachtszeit werden wir dessen gewahr, wenn jeweils für das Baby Hospital in Bethlehem gesammelt wird. Oder wenn die humanitären Leistungen eines IKRK wieder einmal weltweite Beachtung finden. Da zu sparen hiesse die Hilfe für die notleidenden Menschen auf dem Altar steuerpolitischer Trickspielereien zu opfern.

Für die kommende Weihnachtszeit wünsche ich uns grosszügigeres Denken all jenen gegenüber, die auf staatliche oder private Leistungen angewiesen sind.

Die Civitas-Redaktion wünscht Ihnen gesegnete Festtage und alles Gute, Gesundheit und Wohlergehen im neuen Jahr

Thomas Gmür v/o Mikesch, Redaktor

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Mini-Europa rund um Gross-Schweiz?

Auf zu neuen Ufern

Wer Veränderung sucht, macht sich bisweilen auf zu neuen Ufern. Meistens sind damit nicht die Ufer der Weltmeere mit sonnenbeschienenen Traumstränden gemeint. Eher etwas profaner handelt es sich oft um Un-Orte, um Ziele oder einfach um Luftveränderung. Eine solche Veränderung strebte der grosse deutsche Schriftsteller Hermann Hesse an, als er um 1900 aus dem Württembergischen in die Schweiz übersiedelte. Später lebte er in Montagnola im Tessin, wohin heutzutage kilometerlange Autokarawanen mit D-Kennzeichen hinkutschen. Diese Veränderung gab Hesse jenen Schub in seinem Schaffen, der ihn bis hinauf zum Literaturnobelpreis katapultierte. Seine Werke inspirierten spätere Generationen, sich ebenfalls um Veränderung zu bemühen (‚Steppenwolf‘, ‚Siddhartha‘). Ebenfalls eine Veränderung – in ähnlich jugendlicher Unbekümmertheit wie der junge Hesse – suchen heutige Studenten der europäischen Universitäten. Seit 25 Jahren nutzen sie das europäische Studienprogramm ‚Erasmus‘, um zu neuen Ufern aufzubrechen und gewinnbringende Lebenserfahrungen fernab der Heimat zu sammeln. Dieser Erfahrungsschatz ist Gold wert!

Neue Ufer suchten junge Gymnasiasten an der Stiftsschule Einsiedeln vor 80 Jahren, als sie das Hilfswerk Miva Schweiz ins Leben riefen. Ohne diesen Geist des Aufbruchs, diesen Mut, das Hin- statt das leider weit verbreitete Wegschauen wäre humanitäre Hilfe, wie sie die Schweiz ‚exportiert‘, heute kaum denkbar.

Einen ganz anderen Aufbruch erfährt derzeit der Schweizerische Studentenverein. Es locken ebenfalls neue Ufer. Gemeinsam – Jung und Alt – sollen diese Ufer erreicht werden. Dies bedarf eines grossen Kraftakts, soll dereinst nicht Schiffbruch erlitten werden. Hermann Hesse, die Europäische Union mit dem Programm ‚Erasmus‘, unzählige Universitätsstudenten und Einsiedler Gymnasiasten haben diesen Kraftakt gewagt und Erfolg geerntet.

Dem StV soll es doch gleich ergehen!

Deshalb: Auf zu neuen Ufern!

Thomas Gmür v/o Mikesch, Redaktor

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GV 2012 Brig

Willkommen in der Bildungsstadt Brig

Zum neunten Mal darf Brig ein Zentralfest des Schweizerischen Studentenvereins durchführen. Wenn dies bisher alle 15 Jahre der Fall war, wurde zur richtigen Zeit der Rhythmus unterbrochen. Denn 2012 beginnen am 19. Oktober die Feierlichkeiten zum 350. Geburtstag des Kollegiums Spiritus Sanctus Brig und die Vorbereitungen zur Jubelfeier 170 Jahre Sectio Brigensis werden an die Hand genommen. Diese Feierlichkeiten mit dem 166. Zentralfest einläuten zu können, freut uns sehr und wir laden alle ganz herzlich zum Mitfeiern ein. Möge das Zentralfest 2012 lange in bester Erinnerung bleiben; wir tun unser Bestes dafür.

Norbert Ritz v/o Punkt, OK-Präsident

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StV-Reform

Pro Deo et Patria

Nach 170 Jahren schickt sich der Schweizerische Studentenverein an, seine Strukturen zu erneuern. Er tut gut daran, dies jetzt zu tun. In den letzten Jahren hat der Verein viel an öffentlichkeitswirksamer Schlagkraft verloren. Doch Strukturbereinigung allein führt nicht zum Ziel.

≪Auf zur Tat furs Vaterland! Einem Studentenverein gebt das Leben, der alle Studierenden umfängt, die noch denken, wie die Vater dachten!≫ Dieser Aufruf des Schwyzer Bezirksammanns Karl Styger steht an der Wiege des Schweizerischen Studentenvereins. Die Gründung unseres Vereins fällt in eine Zeit grösster Spannungen innerhalb der Eidgenossenschaft. Die katholische Schweiz, speziell die Innerschweiz, fühlte sich bedroht. Liberales, radikales, kirchenfeindliches Gedankengut stand einer katholisch-konservativen Gesinnung gegenüber. Die Aufhebung der Klöster im Aargau verschärfte das politische Klima. Die Jungen wurden an den Klosterschulen daher vermehrt sensibilisiert. Als Reaktion entstanden vereinzelte vaterländische Vereine. Die meisten waren nur von kurzer Dauer. Der StV indes schrieb sich von Beginn weg den gemeinsamen, über den Tellerrand der Innerschweiz hinausblickenden Kampf fur Gott und Vaterland auf die Fahne.

Von Beginn weg stand nicht etwa das religiöse Bekenntnis, vielmehr stand das Politische im Fokus des Vereins. Die jungen Katholiken sahen in den Reformprozessen seitens der Radikalen eine Gefahr fur die Autonomie der Kantone, aber auch fur die Rechte der Kirche. Mit der Einmischung der Tagsatzung in kantonale Entscheide, namentlich die Berufung der Jesuiten nach Luzern, sahen sich die Studenten in ihren Befürchtungen bestätigt. Mancher jugendliche Heisssporn wäre nun liebend gerne mit den Waffen gegen die Radikalen gezogen, die ihrerseits das eh schon vergiftete Klima mit Freischarenzügen gegen Luzern zusätzlich aufheizten. In jener Zeit brauchte es Jungspunde wie die Mitglieder der ersten StV-Sektionen, die sich beherzt für ihre Anliegen einsetzten. Das Einigende aller Mitglieder, die zwar durchwegs konservativ gesinnt und katholisch waren, setzten sie in den Zweckparagraphen: ≪Der Zweck des Vereines ist Einigung für Freundschaft und Wissenschaft zum Frommen des Vaterlandes.≫ Die Gründerväter waren weise vorausschauend: Sie haben keine Zweckbestimmung aufgenommen, die ihnen von vorneherein für ihren Verein klar erschien. Da damals sämtliche Mitglieder mehr oder weniger den gleichen politischen und religiösen Hintergrund mitbrachten, erübrigte sich ein Zweckartikel, der selbiges zusätzlich festschrieb. Heute leben wir im Jahr 2012 und tun uns entsprechend schwerer mit der Ausarbeitung eines für alle gültigen Zweckartikels. Der Schweizerische Studentenverein ist ein Abbild der modernen Gesellschaft. Was 1841 selbstverständlich war, ist heute den meisten fremd. Vor diesem Hintergrund eines heterogenen Vereins hat sich der Zweckparagraph nur in Nuancen geändert: ≪Der Verein pflegt die Freundschaft unter seinen Mitgliedern. Auf den Grundlagen des Christentums aufbauend trägt er zur Gestaltung von Staat und Gesellschaft sowie zur Förderung von Wissenschaft und Forschung bei, im Wissen um die eigene Geschichte und in Verantwortung fur das Erbe der katholischen Kirche.≫ Das einstmals nicht formulierte weil selbstverstandliche Bekenntnis zur katholischen Kirche sowie der Einsatz in Staat und Gesellschaft werden heute in mehreren Wendungen zum Ausdruck gebracht und ersetzen das frühere zum Frommen des Vaterlandes. Was sich in einmütiger Übereinstimmung gleich bleibt, ist die Klammer, die den Verein seit nunmehr 170 Jahren zusammenhalt: die Freundschaft und die Wissenschaft. Auch künftig setzt sich der StV für Wissenschaft und Forschung ein, auch über unsere Generation hinaus wird (so wollen wir es zumindest annehmen) noch Zentralfeste geben – worauf wir uns freuen. Dieses einigende Band braucht ab und zu Stärkung. Die Vereinsstatuten wollen nun jenes Band der Freundschaft nach 170 Jahren erneuern.

Die Strukturen unseres Vereins, die jetzt eine längst fällige Anpassung erfahren, sind so alt wie der Verein. Wohl hat es vereinzelt Retuschen gegeben, aber einem Strukturwandel hat sich der Verein stets widersetzt. Wenn eine Statutenrevision jetzt erfolgt, dann deshalb, weil der Verein sich verschiedenen Problemen gegenübersieht: Stagnation beim Nachwuchs, Überalterung, gedämpfte öffentliche Wahrnehmung. Dies war nicht immer so, hat sich in den letzten Jahren aber zugespitzt. Die Zeiten sind vorbei, als der StV zwei Dutzend Bundesparlamentarier (vorab CVP) und zwei Bundesräte in seinen Reihen wusste. Wer als Akademiker in konservativ geprägten Kantonen Karriere machte, war selbstredend StVer. Die Liste der Ehrengäste am Zentralfest las sich wie ein Who is Who des katholisch-konservativen Establishments. ≪Tempora mutantur et nos mutamur in illis≫. Heute teilt der StVer das Band der Freundschaft nicht mehr primär mit jenem, der gleiche Werte vertritt, sondern mit dem, dessen Freizeitgestaltung seiner gleicht. Diese Heterogenität führt zwangsläufig zur Beliebigkeit und somit zur verminderten Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Um dieser drohenden Bedeutungslosigkeit entgegenzuwirken, braucht es schlagkräftigere Strukturen. Es braucht aber auch das Bekenntnis zu den Werten, für die schon die Gründerväter des Schweizerischen Studentenvereins einstanden. Werte wie Bescheidenheit und Ehrlichkeit, Religiosität und Konservativismus sind auch nach 170 Jahren in einem heterogenen Verein nicht überholt. Sie gilt es auch mit dem angepassten Zweckartikel zu leben.

Thomas Gmür v/o Mikesch, Redaktor


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Ecclesia semper reformanda

„Öffnet die Fenster und die Türen der Kirche“

Als Papst Johannes XXIII. – schon bald nach seinem Amtsantritt – die Einberufung eines Konzils in Aussicht stellte, ging damit weltweiter grosser Enthusiasmus einher. ‚Erneuerung‘, ‚größere Klarheit im Denken‘ und ‚Stärkung des Bandes der Einheit‘ sollten Ziel und Richtschnur dieses ökumenischen Konzils sein. Nur schon dank der Ankündigung des Zweiten Vatikanums herrschte grosse Aufbruchsstimmung in dieser bald 2000-jährigen Institution. In diesem Jahr erinnern wir uns daran, dass vor fünfzig Jahren im Oktober 1962 dieses wegweisende Konzil eröffnet wurde. Der Papst wies in seiner Eröffnungsrede ‚Gaudet mater ecclesia‘ die versammelten Konzilsväter an, die Dogmen zu überdenken und zu aktualisieren – Ecclesia semper reformanda!

Eine der ihm persönlich am nächsten liegenden Forderungen war die Ökumene. Diese gewünschte Neuausrichtung der katholischen Kirche gegenüber anderen christlichen Konfessionen hat denn auch viel Wohlwollen evoziert.

Die Civitas thematisiert in dieser Nummer das II. Vatikanum. Hat sich die Kirche wirklich geöffnet und erneuert? Ist die ‚Volkssprache‘ der Liturgie wirklich jene Sprache, die gehört werden will? Kann man weiterhin die Zulassung zum Priesteramt derart drastisch beschneiden? Reichen die Bemühungen, mit denen wir uns den anderen christlichen und nicht christlichen Konfessionen nähern? Genügt es als Zeichen der Ökumene, medienwirksam einem Reformierten die Kommunion zu reichen? Braucht es gar ein Drittes Vatikanisches Konzil?

Wer sich heute den Zustand der katholischen Kirche vor Augen führt, spürt wenig von jener frischen Luft, welche Papst Johannes XXIII. durch die offenen Fenster und Türen durch die Kirche strömen lassen wollte. Vielmehr ist die Kirche - auch im Zuge von Säkulariesierungswellen – orkanartigen Stürmen ausgesetzt. Soll sie diese überstehen, braucht es wohl ein neues ‚aggiornamento‘. Dann dürften die Worte der Eröffnungsrede anno 1962 ihre Gültigkeit erlangen: ‚Es freut sich die Mutter Kirche‘.

Nicht nur die ‚sancta catholica et apostolica ecclesia‘ braucht Erneuerung, auch der Heilige SchwStV harrt einer Verjüngungskur. An der GV wird zur anstehenden StV-Reform Rat gehalten – StV semper reformanda!

Thomas Gmür v/o Mikesch Redaktor

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